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#miteinanderreden #Stressprävention

Eine Bitte akzeptiert auch ein Nein!

Oft bitten wir um etwas, fordern aber ins­ge­heim und sind dann ent­täuscht, wenn wir nicht be­kom­men, was wir wollen. Das geht auch anders. So for­mu­lierst du deine Bitten stressfreier.

Oft bitten wir um etwas, fordern aber ins­ge­heim und sind dann ent­täuscht, wenn wir nicht be­kom­men, was wir wollen. Das geht auch anders.

Die Krux mit dem Bitten

“Kannst du bitte …” benutzt viel­leicht auch du sehr gerne als Ein­stieg, um eine höf­li­che Bitte zu formulieren.

Aber was, wenn die Person, die wir um etwas gebeten haben, dann nein sagt? Oder zwar erst zu­stimmt, aber es dann ver­gisst zu tun? Dann ist die Ent­täu­schung plötz­lich groß!!

Diese Ent­täu­schung ist es, die das Bitten so heim­tü­ckisch macht. Denn sobald die Bitte nicht mehr nur einen Wunsch sondern eine Er­war­tung enthält, wars das mit der Freude am Reden. Wir sind enttäuscht!

Die zwei Varianten der Bitte

Viel­leicht kennst du ja die Bitten des kas­sie­ren­den Per­so­nals im Su­per­markt. Wenn du an der Kasse stehst, fragen sie gerne für sta­tis­ti­sche Zwecke: “Können Sie mir bitte ihre Post­leit­zahl nennen?”

Im Ver­gleich hierzu möchte ich dir eine Bitte aus meinem eigenen Leben vor­tra­gen. Hier kurz als Vor­ab­infor­ma­ti­on: Frag mich nicht warum ich das mache, aber ich habe eine Angewohnheit:

Wenn ich daheim am Wasch­be­cken meine Hände ge­wa­schen habe, dann nehme ich das kleine Hand­tuch, das direkt neben dem Wasch­be­cken an einem Hand­tuch­hal­ter hängt, in die Hand.

Ich trockne dann meine Hände daran ab und lege das Hand­tuch aber leider … dann (1000% nicht mit Absicht) nicht mehr über den Halter, sondern direkt am Wasch­be­cken­rand ab.

Ich mache das wirk­lich ohne groß zu über­le­gen oder mit bösem Hin­ter­ge­dan­ken! Und jedes Mal, wenn meine Freun­din das sieht, bittet sie mich höflichst:

“Kannst du bitte das Hand­tuch, wie jeder normale Mensch auch, einfach wieder auf den Hand­tuch­hal­ter zu­rück­hän­gen? Der Hand­tuch­hal­ter ist direkt neben dem Wasch­be­cken, das ist über­haupt kein Mehr­auf­wand. Also schmeiß das Hand­tuch bitte nicht mehr einfach nur aufs Wasch­be­cken, sondern häng es doch bitte einfach wieder auf.“Die Freun­din

Der kleine aber feine Unterschied beim Bitten

Auch wenn sowohl die Bitte an der Kasse als auch die Bitte wegen des Hand­tuchs, beide mit dem Wört­chen “Bitte” ge­kenn­zeich­net sind, sind es doch jedes Mal völlig un­ter­schied­li­che Arten zu Bitten.

Das kas­sie­ren­de Per­so­nal ak­zep­tiert mit sehr hoher Wahr­schein­lich­keit und ohne sauer zu sein, wenn ich sage: “Nein, die Post­leit­zahl möchte ich ihnen nicht geben”.

Meine Freun­din wird hier si­cher­lich weniger be­geis­tert sein, wenn ich ihr die Bitte abschlage.

Ich bin deshalb davon über­zeugt, dass es nur zwei Arten von Bitten gibt. Ent­we­der wir for­mu­lie­ren eine ehr­li­che Bitte und somit “nur” einen reinen, aber eben op­tio­na­len Wunsch oder aber, es ist eine ver­steck­te Forderung.

Sobald wir das Fordern und das Bitten ver­mi­schen und eine Er­war­tung ein­flie­ßen lassen, dass unsere Bitte (als ver­deck­te For­de­rung) erfüllt werden muss, ist eine Bitte nichts anderes mehr als eine Forderung.

Und wenn jemand unsere Er­war­tung dann nicht erfüllt und die Bitte ab­schlägt, werden wir wütend, ent­täuscht und die Freude am Reden ist dahin.

Wie der Enttäuschung entgegenwirken?

Der Dalai Lama hat einmal gesagt, dass wenn wir unsere Er­war­tun­gen ver­rin­gern, wir mehr Zu­frie­den­heit er­fah­ren werden (Klar, wer nichts er­war­tet, kann auch nicht ent­täuscht werden).

Aber es geht gar nicht so sehr darum, dass du über­haupt keine Er­war­tun­gen mehr haben darfst, damit deine Bitten mehr Freude und Erfolg bringen.

Der Dalai Lama hat daher fol­ge­rich­tig na­tür­lich auch noch ergänzt, dass vor allem das über­mä­ßi­ge Er­war­ten meis­tens die Pro­ble­me bringt.

Je höher deine Er­war­tung, dass etwas getan werden muss, desto höher und ent­täu­schen­der die Ent­täu­schung, wenn es nicht getan wird.

Ich glaube, dass wir uns daher einen Kern­ge­dan­ken für das Bitten ver­in­ner­li­chen sollten, damit das Bitten wieder mehr Freude macht. Wenn wir je­man­den um etwas bitten, dann ist es hilf­reich, wenn du dir merkst und davon über­zeugt bist:

Eine Bitte ak­zep­tiert auch ein Nein.

Wenn wir ein “Nein” ak­zep­tie­ren, dann ist die eigene Er­war­tung nicht zu hoch. Dadurch ist auch die mög­li­che Ent­täu­schung nicht mehr so in­ten­siv und wir bleiben bei einem Nein deut­lich entspannter.

Wir dürfen also durch­aus wei­ter­hin etwas er­war­ten, oder noch besser: wir hoffen oder wün­schen uns “nur”, dass unserer Bitte nach­ge­gan­gen wird.

Aber wenn nicht, ak­zep­tie­ren wird das und ärgern uns nicht darüber.

Ich bin fest davon über­zeugt, dass du dein Bitten und Fordern nur ein biss­chen be­wuss­ter un­ter­schei­den und for­mu­lie­ren musst und schon steigt die Freude und sinkt die Ent­täu­schung. Wie siehst du das?

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