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Hinterfragen — Mordwaffe und Werkzeug zugleich

Ein brutal scharf ge­schlif­fe­nes Messer der Kom­mu­ni­ka­ti­on! Du kannst damit Gemüse schnei­den und etwas Wun­der­vol­les kochen. Du kannst damit aber auch ver­let­zen. Das Hin­ter­fra­gen ist eine hoch ef­fi­zi­en­te Technik im Qua­li­täts­ma­nage­ment und kann auch dir dabei helfen, eigene Pro­ble­me zu lösen.

Ein schar­fes Messer der Kom­mu­ni­ka­ti­on! Du kannst damit Gemüse schnei­den und etwas Wun­der­vol­les kochen oder andere damit verletzen

Scharf: Das Hinterfragen 

Das Hin­ter­fra­gen ist eine hoch ef­fi­zi­en­te Technik im Qua­li­täts­ma­nage­ment und kann auch dir dabei helfen, eigene Pro­ble­me zu lösen.

Das Hin­ter­fra­gen kann aber genauso gut eine der un­an­ge­nehms­ten Fragen über­haupt sein und wer nicht weiß, wie er damit umgehen muss, tappt schnell in die Antwortfalle.

Stell dir vor, wir beide sind heute Abend um 19 Uhr ver­ab­re­det. Du ver­spä­test dich und kommst deshalb leider erst um 19:15 beim Re­stau­rant an. Du kommst auf mich zu, schaust mir lä­chelnd in meine Augen und sagst:

“Hallo Andreas, schön dich zu sehen”

Ich schau dich an und ant­wor­te völlig emotionslos: 

“Warum bist zu spät gekommen?”

Nicht weiter schlimm denkst du dir und nennst mir dar­auf­hin deinen Grund und antwortest:

“Ach du, ich hab zu lange im Bad gebraucht ?!”

Jetzt könnte ich einfach auf­hö­ren zu fragen, weil du mir ja deinen Grund genannt hast, aber ich hin­ter­fra­ge diesen Grund noch einmal:

“Warum hast du denn zu lange im Bad gebraucht?”

Und bei vielen Men­schen fühlt es sich genau ab diesem zweiten Mal Hin­ter­fra­gen un­an­ge­nehm an. Warum ist das so?

Das erste Hin­ter­fra­gen: “Warum tust oder un­ter­lässt du etwas?”, ak­zep­tie­ren wir meis­tens noch. Aber wenn ich noch einmal nach­fra­ge, warum du das getan oder un­ter­las­sen hast, wird’s unangenehm.

Denn jetzt sollst du mir plötz­lich in­ti­me­re Details ver­ra­ten. Und warum wir wirk­lich etwas tun oder un­ter­las­sen, also unsere Motive da­hin­ter, die er­zäh­len wir wenn, dann nur Familie und Freunden.

Vera Bir­ken­bihl, eine sehr be­kann­te Ma­nage­ment­trai­ne­rin, hat deshalb einmal in einem ihrer Se­mi­na­re gesagt : “Hin­ter­fra­gen tut nur der The­ra­peut, ich meine eigenen Gründe oder, wenn du es ihnen er­laubst: deine Familie und Freunde”

Aber viele Nicht-Freunde und Nicht-The­ra­peu­ten ver­su­chen trotz­dem Vieles zu hinterfragen.

Zwang zu Antworten 

Jetzt wird der eine oder andere si­cher­lich ein­wer­fen: “Ist doch egal, ob jemand etwas hin­ter­fra­gen will. Ich ant­wor­te ihm einfach nicht!” Ist das wirk­lich so einfach?

Für viele Men­schen ist es sehr un­an­ge­nehm: “Nein, das geht dich nichts an” zu sagen, oder einfach nur zu schwei­gen. Wie ist es denn für dich selbst? Schreib es mir gerne in einem Kom­men­tar unter diesen Beitrag! 

Ich bin davon über­zeugt, dass wir dazu erzogen worden sind, zu denken, dass wir jedem eine Antwort schul­dig sind. “Wer fragt, der führt” sagt ja schon der Volksmund.

Wurdest du in der Schule vom Lehrer auf­ge­ru­fen, muss­test du ant­wor­ten oder du wurdest direkt mit einer schlech­ten münd­li­chen Note be­straft. Und wenn dich dann etwas be­drückt hat, haben deine Eltern solange nach­ge­fragt, bis sie es er­fah­ren haben. 

Hast du schon einmal ver­sucht, je­man­den zu igno­rie­ren, der dich auf der Straße an­spricht und nach dem Weg fragt?

Ich habe zwar keine Studie dazu, aber gefühlt werden min­des­tens Sätze wie “Sorry, keine Zeit”, “Leider nein” oder Ähn­li­ches ge­fun­den — aber jedes Mal wird anstatt zu igno­rie­ren, geantwortet! 

Dieses Gefühl, je­man­dem eine Antwort schul­dig zu sein, ist bei vielen Men­schen tief ver­an­kert. Und wer das Hin­ter­fra­gen bei solchen Men­schen gezielt ein­setzt, nutzt genau dieses an­trai­nier­te Ver­hal­ten scham­los aus.

Dein eigenes Hinterfragen

Willst du selbst für ein ent­spann­tes Ge­sprächs­kli­ma sorgen, dann setz dein eigenes Hin­ter­fra­gen, wenn, dann sehr bewusst und dezent ein.

Oft kannst du ja schon im Gesicht deines Ge­gen­übers ablesen, ob ihm die Frage jetzt un­an­ge­nehm ist … dann lass es ;).

Eine Mög­lich­keit, um das Hin­ter­fra­gen äußerst elegant ein­zu­lei­ten ist, pro­ak­tiv und höflich vorab um Er­laub­nis dazu zu bitten.

“Du Justus Ma­xi­mi­li­an, darf ich das bitte einmal hinterfragen?”

Wenn du den Beitrag zum Thema: So for­mu­lierst du Bitten schon gelesen hast, dann weißt du: Eine Bitte ak­zep­tiert auch ein Nein. Wenn Justus Ma­xi­mi­li­an also nicht möchte, dass wir etwas hin­ter­fra­gen, dann lassen wir es.

NEIN! zu Hinterfragern

Wenn du auf eine Frage deines Ge­gen­übers nicht ant­wor­ten willst, dann kom­mu­ni­zie­re das klar und deut­lich. Mit diesen For­mu­lie­run­gen machst du klar, dass du keine Hin­ter­fra­gen akzeptierst!

“Das be­ant­wor­te ich nicht”

“Nein”

“Darüber spreche ich nur mit meiner Familie”

“Das geht dich nichts an”

“Darüber spreche ich nicht”

“Das möchte ich nicht beantworten”

Der Klas­si­ker: “Wenn ich dir das sage, müsste ich dich danach töten”

Der Politik-Experte: “Es geht doch um die Be­ant­wor­tung einer völlig anderen Frage! Nämlich …”

Ein schlich­tes: “Das be­ant­wor­te ich nicht”, ist mein per­sön­li­cher Liebling!

Ich weiß, dass “Nein” zu sagen un­an­ge­nehm sein kann. Aber je öfters du es übst, desto leich­ter wird es dir mit der Zeit fallen. 

Nimm dir zum Bei­spiel morgens einen kleinen No­tiz­zet­tel und schreib das Wort “Nein” oder einen der oben ge­nann­ten Sätze darauf.

Lies dir den Zettel fünfmal laut vor und stecke ihn dir dann in die Hand­ta­sche oder deine Hos­ten­ta­sche. Das ist der Satz, den du heute allen Men­schen sagen wirst, wenn sie dir eine Hin­ter­fra­ge stellen!

Klar ist das am Anfang un­ge­wohnt und es braucht etwas Übung. Also fange bei Fragen in deinem Alltag an, bei denen deine Antwort op­tio­nal ist. Arbeite dich dann langsam aber sicher weiter hoch zu frechen Hinterfragern

Wenn heute zum Bei­spiel die Kas­sie­re­rin nach deiner Post­leit­zahl fragt, sag dein Sätz­chen auf! 

Wenn jemand eine Umfrage macht und dich auf der Straße an­spricht: “Eine kurze Umfrage: Wie lange brau­chen Sie im Bad?”, sag dein Sätz­chen auf!

Und wenn eines Tages ein Andreas schon wieder wissen will, warum du länger im Bad ge­braucht hast, sag dein Sätz­chen auf!

Und selbst dann, wenn ich nicht locker lasse und weiter nach­boh­re: “Warum willst du mir das denn nicht sagen?” — Sag dein Sätz­chen auf: “Das be­ant­wor­te ich nicht!”

Ohne Folter wird dich keiner mehr zum Ant­wor­ten bringen!

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