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Schüchternen Menschen helfen, die eigene Meinung zu sagen

Es gibt Themen, darüber spre­chen wir nur sehr ungern! Un­an­ge­nehm ist es vor allem dann, wenn wir unsere eigene Meinung zu etwas oder über je­man­den of­fen­le­gen sollen. Mit der Ob­jek­ti­vie­rungs­fra­ge kannst du schüch­ter­nen Men­schen dabei helfen, ihre Meinung in einem ge­schütz­ten Rahmen zu äußern.

Mit der Ob­jek­ti­vie­rungs­fra­ge kannst du schüch­ter­nen Men­schen dabei helfen, ihre Meinung zu äußern.

Die Objektivierungsfrage als Türöffner

Es gibt Ge­sprä­che, bei denen Men­schen nur sehr ungern oder gar nicht Stel­lung zu etwas oder je­man­den nehmen wollen. Vor allem dann, wenn du un­be­dingt In­for­ma­tio­nen brauchst, kann dieses Blocken sehr an­stren­gend werden.

Die Gründe hierfür können un­ter­schied­li­cher nicht sein. Viel­leicht ist es ihnen ins­ge­samt un­an­ge­nehm, die eigene Meinung Preis zu geben (weil sie in der Ver­gan­gen­heit gelernt haben, dass es schlau­er ist, diese für sich zu behalten).

Viel­leicht haben sie aber auch einfach nur Angst davor, dass ihnen die eigenen Worte später Pro­ble­me be­rei­ten könnten.

Vor allem dann, wenn es sich bei den Fragen um Be­ur­tei­lungs­fra­gen über anderen Men­schen handelt, wie zum Bei­spiel: “Wie be­ur­tei­len Sie aktuell die Leis­tung Ihrer Kol­le­gin Frau Mayer?”. Wer hat da nicht Angst, dass Frau Mayer davon Wind bekommt?

Solche Ge­sprä­che werden für dich schnell un­ge­müt­lich, weil du merken wirst, dass du hier mit nor­ma­len Fragen kaum bis gar keine ziel­füh­ren­den Ant­wor­ten er­hal­ten wirst. Die Ob­jek­ti­vie­rungs­fra­ge kann dir dabei helfen, in solchen Si­tua­tio­nen wieder die Tür zum Ge­spräch zu öffnen.

Wie funktioniert die Objektivierungsfrage?

Ob­jek­ti­vie­rung be­deu­tet, dass du bewusst von der di­rek­ten Frage nach einer Meinung weg­gehst. Fragen wie “Wie findest du das?”, “Was ist denn deine Meinung dazu” usw. sind oftmals zu per­sön­lich und unangenehm. 

Eine Mög­lich­keit, um diese direkte und sehr per­sön­li­che Aus­fra­gen zu umgehen, ist die Ob­jek­ti­vie­rungs­fra­ge. Du ver­suchst bei dieser Fra­ge­tech­nik die Frage so zu stellen, dass der Be­frag­te seine eigene Meinung nicht preis­ge­ben muss, aber sich dennoch dazu äußern kann.

Wie das funk­tio­niert? Du gibst ihm die Chance, seine Meinung hinter der Meinung vieler anderer Men­schen zu verstecken.

Hier ein paar Beispiele:

  • Statt: “Wie finden Sie die Stim­mung in der Abteilung”
  • Jetzt: “Wie sind die Mei­nun­gen zur Stim­mung in Ihrer Ab­tei­lung zum Thema XYZ”
  • Statt: “Wie be­ur­tei­len Sie das neue System?”
  • Jetzt: “Was sagt die Ab­tei­lung zum neuen System?”

Ja! Die Meinung wird ver­ne­belt und du er­fährst sie wenn, dann nur durch die Blume. Aber du stellst die Person eben nicht an den Pranger und gibst ihr die Mög­lich­keit aus der Distanz zu antworten.

Und auch wenn das zwi­schen den Zeilen Lesen schwie­rig ist, vergiss nicht, welches Ziel du damit verfolgst:

Die Men­schen zu Wort kommen lassen, die sonst nie zu Wort kommen.

Dadurch fühlt sich dein Ge­gen­über nicht mehr in der Si­tua­ti­on “Ich spreche hier ganz offen über meine eigene und an­greif­ba­re Meinung”. Die Ob­jek­ti­vie­rungs­fra­ge schafft es, dass sich der Be­frag­te freier fühlt, denn er wird nicht sofort mit der eigenen ge­äu­ßer­ten Meinung iden­ti­fi­ziert werden können.

Weitere Beispiele

  • Welche mög­li­chen Lö­sun­gen könnte es denn geben?
  • Welche Pro­ble­me könnten entstehen?
  • Lassen Sie uns mal Pros/ und Contras finden!
  • Lassen Sie uns Ar­gu­men­te für/gegen finden!
  • Welche An­sich­ten gibt es zu diesem Thema?
  • Mit welchen Schwie­rig­kei­ten muss man rechnen?
  • Was wird die Abteilung/Redaktion/das Team dazu sagen?
  • Was können wir tun, damit XYZ passiert
  • Wenn alles perfekt laufen würde, wie würde XYZ aussehn?
  • Was ist das worst-case Szenario?
  • Was ist das best-case Szenario?
  • Welches Sze­na­rio ist das wahrscheinlichste?
  • Was würde Herr/Frau … dazu sagen?
  • Wie würde ein völlig Fremder beschreiben …?

Das zirkuläre Fragen

Hinter der Ob­jek­ti­vie­rungs­fra­ge ver­steckt sich mit großer Si­cher­heit eine weitaus be­kann­te­re Technik: Das zir­ku­lä­re Fragen.

Das zir­ku­lä­re Fragen wurde 1970 in der sys­te­mi­schen Fa­mi­li­en­the­ra­pie benutzt, um den Kli­en­ten einen Per­spek­ti­ven­wech­sel zu er­mög­li­chen. Das Ziel hierbei war es, dem Kli­en­ten die Mög­lich­keit zu geben, eine Si­tua­ti­on durch die Augen eines anderen Men­schen zu sehen.

Beispiele für zirkuläres Fragen

„An­ge­nom­men, ich würde in der Mit­tags­pau­se deine beste Freun­din fragen, was die wohl denkt, warum dich dein Mann abends nach der Arbeit an­schreit? Was würde die sagen?“

„An­ge­nom­men, ich würde deinen Mann fragen, warum er denkt, dass er dich an­schrei­en muss. Was würde er wohl sagen?”

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