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#miteinanderreden #Stressprävention

Spar dir deine guten Ratschläge!

Rat­schlä­ge sind Schläge. Viel zu oft geben wir un­ge­fragt Rat­schlä­ge. Das Problem dabei: Wir haben unseren Rat­schlag meist schon im Kopf, bevor wir unserem Ge­gen­über richtig zu­ge­hört hätten. Schnell machen wir dadurch unser Ge­gen­über wütend oder ver­let­zen es. Das geht auch anders! 

“Du soll­test mal wieder”, “ich an deiner Stelle”, “warum hast du nicht gleich am Anfang”, “wenn du mich fragst, würde ich”. Rat­schlä­ge sind oft un­er­wünscht und wahr­lich Schläge! 

Die Geschichte vom Alten

Die Dich­te­rin Mascha Kaleko hat in ihrem Werk: “Heute ist morgen schon gestern”, im Jahr 1983 ein für mich un­vor­stell­bar wun­der­vol­les und lehr­rei­ches Gedicht ver­fasst, in dem klar wird, warum wir uns die vor allem vor­ei­li­gen Rat­schlä­ge sparen sollten:

Hoch auf dem Felsen, abgeschieden,

Lebten der Alte und sein Sohn

In stiller Ein­tracht, wohlzufrieden.

… Da lief den beiden das Pferd davon.

Der Nachbar, nach ge­rau­mer Frist,

Kam, den Verlust mitzubeklagen.

Da hörte er den Alten fragen:

»Wer weiß, ob dies ein Unglück ist?«

Und bald darauf, im nahen Walde

Ver­nah­men sie des Pferdes Tritt:

Das kam und brachte von der Halde

Ein Rudel wilder Rosse mit.

Der Nachbar, schon nach kurzer Frist,

Pries den Gewinn nach Menschenweise.

Da lä­chel­te der Alte leise:

»Wer weiß, ob dies ein Glücks­fall ist?«

Nun ritt der Sohn die neuen Pferde.

Sie flogen über Stock und Stein,

Ihr Huf be­rühr­te kaum die Erde …

Da stürzte er und brach ein Bein.

Der Nachbar, nach ge­rau­mer Frist,

Kam, um das Leid mit ihm zu tragen.

Da hörte er den Alten fragen:

»Wer weiß, ob dies ein Unglück ist?«

Bald dröhnt die Trommel durch die Gassen: Es ist die Kriegsproklamation.

Ein jeder muss sein Land verlassen.

– Doch nicht des Alten lahmer Sohn.

Mascha Kaleko, [1983] “Heute ist morgen schon gestern”

Ich bin fest davon über­zeugt, dass wir kluge Rat­schlä­ge und Tipps nur dann geben sollten, wenn das Ge­gen­über uns ex­pli­zit danach fragt oder die Be­zie­hung z.B. Mutter zu Kind es wirk­lich verlangt.

Die Gefahr des Ratschlags

Die Gefahr der Rat­schlä­ge in deiner Kom­mu­ni­ka­ti­on ist, dass du dein Ge­gen­über nie zu 100% richtig ver­stehst und dadurch vor­ei­li­ge Schlüs­se ziehen könntest. 

Schnell ist dein Rat­schlag dann einfach nur un­an­ge­bracht! Viel­leicht gibst du mir einen Rat­schlag, was ich besser machen könnte, obwohl ich meine Ent­schei­dung genau so gut fand. 

Du hast mir einfach nicht wirk­lich zu­ge­hört und warst mehr bei dir und deiner Her­an­ge­hens­wei­se, als dich wirk­lich mir zu widmen. 

In einem anderen Beitrag haben wir zwei uns schon mit dem Thema Hin­ter­fra­gen be­schäf­tigt. Genauso wie das Hin­ter­fra­gen schnell un­an­ge­nehm werden kann, genauso können auch un­ge­frag­te Rat­schlä­ge nerven.

Und wie schon beim Hin­ter­fra­gen kannst du auch bei Rat­schlä­gen und Tipps, die dir ur­plötz­lich im Ge­spräch ein­fal­len, zuerst um Er­laub­nis bitten, sie an­spre­chen zu dürfen:

Möch­test du meine Meinung, meinen Rat oder Tipp dazu hören?

Ich ver­spre­che dir eins: Du wirst er­staunt sein, wie oft dein Ge­gen­über deine Meinung dazu ei­gent­lich über­haupt nicht hören will!!!

Ich verrate dir noch ein anderes Ge­heim­nis zum Thema Wohlfühlen. 

Wenn Men­schen be­ur­tei­len sollen, ob ein Ge­spräch gut oder schlecht war, dann emp­fin­den sie meis­tens dann ein Ge­spräch als an­ge­nehm oder besser, wenn es vor allem um sie selbst ge­gan­gen ist (und nicht um deine Rat-Schläge).

Sind für dich Rat-Schläge klare “Schläge”? Wie gehst du mit Rat­schlä­gen um, die du ver­teilst oder erhältst? 

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